Überleben ja, Leben nein!

Wir treffen Frau S. an einem sonnigen Tag Ende Februar in einem Café in einem Einkaufszentrum in Dresden. Sie trinkt eine Tasse Kaffee, mehr möchte sie nicht. Bescheidenheit ist eben nicht nur eine Tugend, sondern für viele Alltag.

Frau S. lebt in einer 2-Zimmer-Genossenschaftswohnung in einem sanierten DDR-Neubau für 430 Euro warm. Wohngeld erhält sie nicht, da sie mit ein paar Euros über dem Förderbetrag liegt. Nach Abzug von Miete, inkl. Betriebskosten, Strom sowie weiterer Festausgaben wie Versicherungen, GEZ-Gebühr, Monatskarte, etc. verbleibt nur noch ein Betrag zum Überleben. Anderen geht es noch schlechter, sagt sie müde lächelnd. Mit Leben hat das aber nichts zu tun. Bio-Lebensmittel, gerne von den linksgrünen Darstellern zelebriert, kann sich Frau S. nicht leisten. Sie muss auf die „billige“ Massenware aus dem Supermarkt zurückgreifen, wobei der Preis längst nicht mehr billig ist, da Lebensmittel sich in den letzten Jahren extrem stark verteuerten. Kaputt gehen darf nichts, Extras so gut wie ausgeschlossen. Sie raucht nicht, sie trinkt nicht. Immerhin kann sie sich den Gang zur Tafel ersparen.

Frau S. hat ein ereignisreiches Arbeitsleben hinter sich. Mit knapp 14 bereits in der Arbeit, heute ist sie über 70. Zwei Kinder hat sie großgezogen. Zuletzt arbeitet sie in der Pflege, nach der Wende wie viele andere im Osten umgelernt. Die Knochen sind kaputt. Sie jammert aber nicht. Sie hat nie viel verdient, gerade der Pflegeberuf war schon immer schlecht bezahlt. Damals wie heute kann sie sich keinen Urlaub leisten. Während andere, vor allem gutbetuchte Pensionäre, ihren Tag mit der Planung von Weltreisen verbringen, war Frau S. nur ein einziges Mal nach der Wende im Urlaub. Und den bezahlte auch noch ihr Bruder.

Eine einzige Kur erhielt sie seit der Wiedervereinigung wegen ihrer kaputten Knochen, dafür musste sie zwei Jahre hart kämpfen. Als sie kürzlich mal wieder „Gelenkschmiere“ gespritzt bekam, musste sie die drei Spritzen für insgesamt 90 Euro selbst bezahlen. Keine Regelleistung bei der AOK. Ohne die Unterstützung ihrer Tochter hätten sie es nicht bezahlen können.

Frau S. ist kein Einzelfall. Sie ist ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft, nur eben nicht so sichtbar und hörbar. Denn um die Welt reisen, im Restaurant sitzen, in die Oper oder entspannt in die Stadt einkaufen gehen, dass kann sie sich alles nicht leisten.

Etwa 1 Milliarde (1.000.000.000) Euro gibt der Freistaat für die Gäste der Altparteien pro Jahr aus! Milliarden aus unseren Steuergeldern für Fremde. Aber die Eigenen werden vergessen, für die Eigenen ist nichts da. Immer mal wieder, vor allem kurz vor der Wahl auf irgendwelchen Plakaten, erinnern sich die Heuchler der Altparteien an diese Vergessenen in unserer Gesellschaft. Aber nur ganz kurz, so zwischen einem Latte Macchiato und dem Gang zum Bioladen.

image_pdfimage_print